Der Waldkindergarten versteht sich als naturnaher Bildungsort, indem die Kinder bei nahezu jedem Wetter draußen sind. Wetterphänomene werden nicht nur thematisiert, sondern unmittelbar erlebt. Hierbei steht der Schutz der Kinder und des Teams immer an erster Stelle.
Wir nutzen die Natur als Lernraum, doch wird das Risiko nicht unterschätzt, das starke Wettereignisse mit sich bringen. Die Sicherheit der Kinder und des Teams hat stets Vorrang und bei möglicher Gefahr ziehen wir klare Grenzen. Wir als Team sind gemeinsam für das Einhalten von Sicherheitsregeln verantwortlich und richten unser Arbeiten nach den Gesetzen der Natur. Gleiche Handlungsweisen im Team bieten in diesen herausfordernden Situationen Erleichterung und geben den Kindern Struktur und Sicherheit.
Ebenfalls werden die Kinder altersgerecht aufgeklärt und das Thema Wetter mit ihnen thematisiert, damit auch sie ein wenig Gespür dafür entwickeln und um ihnen die Gefahren bewusst zu machen, die die Natur mit sich bringen kann. Natürlich ohne dadurch Angst zu schüren.
Ziel des Konzepts
Sicherstellung der körperlichen Unversehrtheit von Kindern und Fachkräften bei unterschiedlichen Wetterlagen durch:
- klare Entscheidungsstrukturen
- einheitliches Handeln im Team
- frühzeitige Risikoeinschätzung
- transparente Kommunikation
Prävention und Vorbereitung
Beobachten und Einschätzen:
- Tägliche Wetterprüfung nach dem deutschen Wetterdienst und zusätzliche Beobachtung des Wetters vor Ort
- Sensibilisierung für Anzeichen der Wetterveränderungen
- Entsprechende wetterbedingte Kleidung
- Eventuelles Planen für das Ausweichen in einen Schutzraum
Handlungskonzept Ozon
Grundprinzip:
- Ozonwerte steigen meist bei Hitze + starker Sonneneinstrahlung
- Morgens ist die Belastung deutlich geringer
Deshalb: Tagesstruktur anpassen statt Aufenthalt komplett streichen
Konkretes Verhalten nach Ampelstufen
Grün – Unbedenklich
Team-Handeln:
- Normaler Tagesablauf
- Bewegungsangebote uneingeschränkt
- Lange Waldstrecken möglich
Orange – Erhöhte Belastung
Team-Handeln:
Aktivitäten bewusst steuern:
- Keine sehr anstrengenden Spiele (z. B. Fangspiele, Wettrennen)
- Mehr ruhige Naturangebote (Beobachten, Sammeln, Geschichten)
Schatten priorisieren:
- Aufenthalte im dichten Wald statt auf Lichtungen
- Plätze mit viel Baumbestand wählen
Tageszeit beachten:
- Intensive Aktivitäten → nur am Vormittag
- Nachmittags ruhiger gestalten
Beobachtung der Kinder:
- Achten auf:
- Husten
- schnelle Erschöpfung
- Augenreizungen
Rot – Hohe Belastung (kritisch)
1. Tagesstruktur ändern
- Aufenthalt früh beginnen (so früh wie möglich)
- Mittagszeit (ca. 11–13:30 Uhr) besonders meiden
Schwerpunkt: Morgen & frühen Vormittag nutzen, danach stark reduzieren
2. Standort bewusst wählen
- Nur tiefer Wald (viel Schatten, kühl, wenig Luftbewegung)
Vermeiden:
- Lichtungen
- Waldränder
- sonnige Wege
3. Aktivitätsniveau deutlich senken
- Keine körperlich anstrengenden Aktivitäten
Fokus auf:
- Vorlesen
- Naturbeobachtung
- kreatives Arbeiten im Sitzen
4. Schutzräume nutzen (wichtig im Waldkindergarten!)
Auch im Waldkonzept sollte es Alternativen geben:
- Bauwagen / Schutzhütte
ggf. Kooperation mit:
- Stadt: Kornhalle
Bei sehr hohen Werten sollte ein zeitweiser Innenaufenthalt möglich sein.
5. Gesundheitsbeobachtung intensivieren
Fachkräfte achten besonders auf:
- Husten / Atembeschwerden
- Kopfschmerzen
- ungewöhnliche Müdigkeit
- Augenbrennen
Bei Auffälligkeiten:
- Aktivität sofort stoppen
- Kind in ruhigen, schattigen Bereich bringen
6. Flüssigkeit & Pausen
- Häufige Trinkpausen (aktiv anbieten und einfordern, nicht nur bereitstellen)
- Regelmäßige Ruhezeiten einplanen
Wichtige Team-Regeln (immer gültig)
1. Tägliche Information einholen
- Ozonwerte jeden Morgen prüfen (z. B. Wetter-App)
- Bei Hitzeentwicklung: zweite Einschätzung vormittags (circa 11 Uhr)
2. Verbindliche Absprachen im Team
- Ampelstufe bestimmt verpflichtend das Verhalten
keine individuellen Ausnahmen („Heute geht schon noch…“)
3. Transparenz
Eltern werden informiert:
- Tagesfarbe
- ggf. angepasster Ablauf
4. Vorbereitung
„Rote Tage“ im Voraus planen:
- ruhige Alternativangebote
- feste Schattenplätze
- Notfall-Innenlösung
Sonderfall: Kombination Hitze + Ozon
Das ist besonders belastend!
Dann gilt:
- Noch strengere Reduktion von Bewegung
- Noch frühere Tagesverlagerung
- verkürzter Betreuungstag als Empfehlung an die Sorgeberechtigten
Starkregen und Gewitter
Grün: keine akute Gefahr
Anzeichen:
- leichter Regen oder bewölkt
- Kein Gewitter in der Nähe
- Wind ruhig bis mäßig
- Gelände sicher begehbar
Verhalten:
- normaler Tagesablauf
- Draußen spielen erlaubt
- Kinder tragen wettergerechte Kleidung
- Wetter im Blick behalten (vor Ort Himmel beobachten und Wetter App miteinbeziehen) —> erstes Anzeichen von Wetterumschwung beobachten
Orange: Achtung
Starkregen oder Gewitter möglich oder angekündigt, erhöhte Vorsicht
Anzeichen:
- Gewitterwarnung
- Dunkle Wolken
- Zunehmender Wind (Bäume bewegen sich deutlich)
- Eventuell schwüle Luft
- Starker Regen
Verhalten:
- Falls ein Aufenthalt im Wald stattfindet diesen verkürzen oder sogar beenden
- Näher am Schutzort aufhalten
- Keine Waldbereiche mit alten oder instabilen Bäumen aufsuchen
- Gruppe zusammenhalten
- Eventuell Schutzorte vorbereiten
Rot: Gefahr!
akutes Gewitter/Starkregen
Sofortiges Handeln
Anzeichen:
- Gewitter (Blitz und Donner )
- Heftiger Starkregen, mögliche Überflutung
- Sturm oder Unwetterwarnung
Verhalten:
- Sofortiger Abbruch des Aufenthalts im Wald
- Sofortiges Aufsuchen der Schutzräume (Wurzelstübchen und Bauwagen)
- ->Keiner verlässt den Schutzraum
- Abwarten bis keine Gefahr mehr besteht
- Notfalls Eltern informieren
Sturm
Risikoeinschätzung im Wald
Typische Gefahren bei Sturm:
- herabfallende Äste („Totholz“)
- umstürzende Bäume
- plötzlich abbrechende Kronenteile
- eingeschränkte Wahrnehmung durch Lärm
- Panik oder Verunsicherung bei Kindern
Ampelsystem „Sturm“
Das Ampelsystem orientiert sich an Wetterlage (z. B. Wetter-App, Warnungen) und Beobachtungen vor Ort.
GRÜN – Normalbetrieb
Bedingungen:
- Wind ruhig bis mäßig (bis ca. 30 km/h)
- keine Warnungen
Maßnahmen:
- regulärer Aufenthalt im Wald
- achtsame Platzwahl (keine Totholzbereiche)
- regelmäßiger Blick nach oben (Kronen)
Orange – Erhöhte Aufmerksamkeit
Bedingungen:
- auffrischender Wind (ca. 30–60 km/h)
- erste Geräusche im Kronenbereich
- Wetterwarnung möglich
Maßnahmen:
- Aufenthalt nur in geprüften, sicheren Bereichen
- kein Aufenthalt unter alten Bäumen / Totholz
- kürzere Wege, Nähe zu Schutzraum (Bauwagen/Unterstand)
- Team spricht sich eng ab
- ggf. Eltern informieren („erhöhte Vorsicht“)
ROT – „Gefahr – Aufenthalt im Wald untersagt“
Bedingungen:
- starker Wind /Sturm (ab ca. 60 km/h)
- offizielle Wetterwarnung
- sichtbare Bewegung der Baumkronen /Astbruch
Maßnahmen:
- kein Aufenthalt im Wald
Wechsel zu:
- Schutzunterkunft
- Ausweichraum (z. B. Gebäude)
- Kinder bleiben gesammelt
- Eltern werden informiert
4. Handlungsleitfaden für das Team
A) Vor dem Kindergartentag
- Wetterprüfung (z. B. abends + morgens)
- Nutzung von Wetterdiensten (z. B. DWD-App)
- Entscheidung anhand Ampelsystem
- ggf. frühzeitige Info an Eltern
B) Während des Aufenthalts im Wald
Kontinuierliche Beobachtung der Windentwicklung
- Geräusche (Knacken, Brechen)
- Bewegung der Baumkronen
Bei plötzlichem Windanstieg
- Gruppe sofort sammeln
- Ruhig bleiben, klare Ansprache
- Gefahrenbereich verlassen
- Richtung sicherer Ort bewegen
C) Evakuierung (bei ROT oder akuter Gefahr)
Ablauf:
- Sammelruf / Signal vereinbaren
- Kinder zählen (Anwesenheitsliste!)
- Gruppe geschlossen führen
- zügig zum Schutzort gehen
- erneutes Durchzählen
Wichtig:
- keine Diskussionen vor Ort
- klare Rollenverteilung im Team
D) Nachsorge
- Kinder beruhigen und Situation erklären
- ggf. Gespräch im Morgenkreis am nächsten Tag
- Teamreflexion:
- Was lief gut?
- Was kann verbessert werden?